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Bäuerin Isabella Dick aus Salzburg

Wie die Diplom-Krankenschwester zur Vollblut-Bäuerin wurde, warum sie begeistert ist vom "Milchautomaten" und wie sie mit Leidenschaft und Kreativität die Frühstückspension der Schwiegermutter ausgebaut hat, erzählte mir Isabella Dick aus Salzburg in einem interessanten Gespräch.
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© LKO/Markus Beeren
Die 41-jährige Pinzgauerin Isabella Dick ist glücklich verheiratet und Mutter dreier Kinder im Alter von 10, 12 und 15 Jahren. Wenn sie davon erzählt, wie zuverlässig ihre Kinder schon am Hof, in den Appartements und im Stall mitarbeiten, hört man viel Stolz aus ihrer Stimme. Auch die Altbäuerin ist nach wie vor voll ins Familienleben eingebunden und hilft, wo sie gebraucht wird. Die Unterstützung der Schwiegermutter schätzt sie vor allem im Umgang mit den Kindern. Überhaupt bekommt man umgehend Lust, demnächst einen Urlaub in einem ihrer individuell gestalteten Zimmer zu verbringen – die Ruhe, die umliegende Natur, die Ausflugsmöglichkeiten und insbesondere die herzliche Gastfreundschaft der gesamten Familie überzeugen schnell.
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© LKO/Markus Beeren
Die Landwirtin führt gemeinsam mit ihrem Mann Alois, den sie liebevoll Lois nennt, einen Bio-Bauernhof im Vollerwerb mit einer Rinderzucht, Waldwirtschaft und Vermietung von Appartements. Bereits ihre Schwiegermutter begann mit einer kleinen Frühstückspension, welche Isabella Dick nach und nach mit viel Liebe zum Detail und zur Innenarchitektur umgestaltet hat. Hier ihrer Kreativität freien Lauf lassen und ihre Ideen sofort umsetzten zu können – das liebt sie besonders. Ihr Motto ist: sich einfach trauen und mal Dinge ausprobieren, auch ohne sicher zu sein, dass alles gleich so funktioniert wie gewünscht.
Isabella Dick stammt selbst von einem Bauernhof, allerdings von einem Bergbauernhof. Sie erzählt, wie beschwerlich die Arbeit am elterlichen Betrieb war und wie sehr sie heute von der harten Arbeit und den langen Wegen – auch konditionell – profitiert.

Unser "Kalb-Kindergarten"

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© LKO/Markus Beeren
Dank gut durchdachtem Kalbungsmanagement sind alle Muttertiere gleichzeitig trächtig. Vor dem Kalben lässt man den Kühen eine 2-monatige Melkpause und nutzt die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm für Familienausflüge oder zum Skifahren. Wenn dann im Februar rund 40 Kälber gleichzeitig zur Welt kommen, wird jede helfende Hand benötigt. Besonders wichtig sind der Familie eine artgerechte Tierhaltung in Bezug auf Auslauf, Stall und Weidegang sowie der ausschließliche Einsatz von Bio-Futtermitteln. 2017 entschied man sich - trotz anfänglicher Skepsis - für die Investition in einen Milchautomaten. Und obwohl die innovative, gekühlte Milchmaschine rund 200 m außerhalb des Dorfes steht, übertrifft der Absatz von Frischmilch alle Erwartungen.
Mit dem Hof und der Zimmervermietung gibt es das ganze Jahr über ausreichend Arbeit. Gemeinsame Freizeit steht wenig zur Verfügung, Auszeiten mit der Familie müssen daher gut geplant werden. Tatkräftige Hilfe gibt es jeden Sommer von einem Pflichtpraktikanten, im Winter unterstützt eine Teilzeitkraft den Bauern bei der Stallarbeit.

Bäuerin – ich doch nicht!

Als Isabella Dick mit 18 Jahren ihre Ausbildung zur Krankenschwester beendete, dachte sie über ein anschließendes Medizinstudium oder alternativ eine musikalische Ausbildung nach. Daran, dass sie die Bäuerin unter ihren sieben Geschwistern wird, konnte sie sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich vorstellen. Doch dann lernte sie ihren Lois kennen und lieben und schnell war ihr klar, dass es für sie nichts Schöneres gibt, als gemeinsam mit ihm seinen Hof weiterzuführen. Ihre positive Einstellung und ihre Freude an der Arbeit lassen ihr die Aufgaben leichter von der Hand gehen. Die Vermietung der drei liebevoll gestalteten Appartements obliegt komplett der Bäuerin. Der persönliche Kontakt zu den Gästen ist ihr sehr wichtig und durch ihre Gastfreundlichkeit konnten bereits viele Stammkunden gewonnen werden – für Isabella Dick ihr Traumberuf. Besonders geschätzt werden die großen, neu gestalteten Appartements, der Kontakt zur Hoffamilie, die Möglichkeit, den Bauernhof und den Stall kennenzulernen und natürlich die köstlichen Produkte. Denn eine biologische Produktion unter Berücksichtigung des natürlichen Kreislaufs sowie die Verwendung regionaler Erzeugnisse aus der unmittelbaren Umgebung gehören zur "Stiegerhof-Philosophie".
Gefragt nach den guten Seiten an ihrem Beruf, zögert sie keinen Moment mit der Antwort: "Die Arbeit als Bäuerin ist einfach toll! Ich habe zwar wirklich viel zu tun, kann mir meine Aufgaben jedoch mehr oder weniger selbst einteilen. Ich schätze sehr, dass ich mit meiner Familie so viel Zeit verbringen kann und dass ich zuhause bin, wenn alle sich zum gemeinsamen Mittagessen zusammensetzen. Neue Ideen umsetzen und gleich sehen, wie es bei den Gästen ankommt – solche Freiheiten und die Kreativität ausleben zu können, liebe ich an meinem Beruf!“ Besonders freut sich Isabella Dick darüber, dass Lebensmittel durch immer aktueller werdende Themen wie Regionalität und Nachhaltigkeit wieder mehr geschätzt werden.
Die Salzburgerin ärgert, dass die Bauern selbst oft nicht besonders nachhaltig arbeiten: dass Böden oft rücksichtslos bewirtschaftet und ausgelaugt werden; dass Höchstleistungen von den Tieren erwartet werden etc. Ihr Mann und sie haben sich das rücksichtsvolle und nachhaltige Bewirtschaften ihrer Flächen zum obersten Ziel gesetzt. Die Wiesen werden zum Beispiel statt dreimal nur noch zweimal im Jahr gemäht. Auch die Investition in immer größere Maschinen wird nach Notwendigkeit immer genau abgewogen. Des Weiteren stören die Bäuerin die oftmals sehr umständlichen und praxisfernen Richtlinien für die Bio-Zertifizierung und auch der immer größer werdende bürokratische Aufwand.

Ein freier Wunsch

Wenn sie sich etwas wünschen könnte, dann wäre es, dass Bauern den Betrieb gut und ausreichend bewirtschaften können und ihnen dennoch genügend Zeit für die Familie bleibt; dass man es schafft, sich Freiräume für gemeinsame Familienzeit freizuhalten.

Ihrer Meinung nach wird die Arbeit am Bauernhof noch immer nicht ausreichend wertgeschätzt, da viele Menschen kaum eine Vorstellung davon haben. Um ihren Gästen Einblick in ihren Arbeitsalltag zu vermitteln, lädt sie die Besucher ein, die Stallarbeit zu beobachten Hühner, Hasen und Enten zu füttern und die Katzen und den jungen Border Collie Ben zu streicheln. Um bereits bei den Kindern die Bewusstseinsbildung zu fördern, engagiert sie sich in der örtlichen Volksschule mit dem lehrreichen "Milchlehrpfad".

In ihrer Freizeit engagiert sie sich als Ortsbäuerin in Maishofen. im Ausschuss organisiert sie mit 8 anderen Bäuerinnen Veranstaltungen und Vorträge. Besonders interessant findet sie auch die gemeinsamen Ausflüge in andere Betriebe, um zu sehen, wie gewisse Probleme oder Schwierigkeiten von anderen gelöst werden. Der regelmäßige Kontakt und Austausch mit den anderen Bäuerinnen ist ihr sehr wichtig und wertvoll. Gerne gibt sie ihre Erfahrung und ihr Wissen auch an junge Bäuerinnen weiter.

Ihr liebstes Hobby ist das wöchentliche Treffen zum Singen im Vocalensemble. Hier ist sie die einzige Bäuerin, absolviert gemeinsame Auftritte bei Taufen und Hochzeiten und genießt es auch mal, bei einem anschließenden Bier über ganz andere Dinge zu sprechen. Die singende Bäuerin spielt zusätzlich seit ihrem 11. Lebensjahr Zither und Gitarre.

Für politisches Amt nicht zu haben

Aus dem ZAMm-Lehrgang hat die Bäuerin mit der positiven Grundeinstellung insbesondere eines mitgenommen: "Das Wichtigste ist, dass, wenn man etwas will, man einfach damit beginnen muss. Nachlesen, sich informieren ist gut und schön, aber ausschlaggebend ist, seine Ideen auch umzusetzen - nicht nur denken, sondern tun.

Ich habe vor allem agrar- und familienpolitisch einiges dazugelernt und kann viele Zusammenhänge besser verstehen. Aber eines weiß ich jetzt ebenfalls sicher: Für eine politische Funktion bin ich nicht zu haben." Schön findet Isabella Dick auch, dass die 13 Bäuerinnen vom ZAMm-Lehrgang immer noch in Kontakt und regem Austausch stehen. Den Kurs würde sie jederzeit anderen Bäuerinnen weiterempfehlen.
Auf die Frage nach einem Hof-Motto antwortet sie voll Enthusiasmus: "Nein, wir haben so etwas noch nicht. Aber das ist eine hervorragende Idee; da werde ich mich demnächst drüber setzen. Das gefällt mir!"