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Bergbäuerin Stefanie Ofner aus Kärnten

Als Einzelkämpfer kannst du keine Berge versetzen - Im Gespräch mit der Jung-Bergbäuerin Stefanie Ofner aus Afritz am See, Kärnten, merkt man schnell, dass sie mit viel Leidenschaft und großem Stolz Bergbäuerin ist. Die 29-jährige Mutter von drei Kindern erzählt von ihrer Entscheidung, ihren gelernten Beruf aufzugeben um Bergbäuerin zu werden.
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© LKO/Markus Beeren
Stefanie Ofner aus Afritz am See zu interviewen ist eine Wohltat - sie versprüht so viel Energie und hat einfach eine sehr positive Grundeinstellung zum Leben. Begonnen hat ihre berufliche Karriere im Kindergarten; war sie doch sehr gerne als Kindergarten- und Hortpädagogin tätig. Dann kamen der Reihe nach ihre drei Kinder - erst zwei Mädchen, dann ein Bub - und gemeinsam mit ihrem Mann beschlossen sie, den Bergbauernhof der Schwiegereltern wieder in Betrieb zu nehmen. Es war ein Risiko und mit vielen Unsicherheiten verbunden, da sie in keinen laufenden Betrieb einsteigen konnten, sondern alles selbst errichten und lernen bzw. sich aneignen mussten. Die Räumlichkeiten waren alt oder gar nicht vorhanden, die Arbeitsmaterialien mussten erst "entdeckt" und angeschafft werden und die Erfahrungswerte fehlten gänzlich. Dies war natürlich auch mit Investitionen verbunden. Immer wieder stellte sie sich die Frage, ob sie nicht doch wieder in das sichere Angestelltenverhältnis wechseln sollte. Es war kein leichter Weg, doch heute, vier Jahre nachdem sie den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben, können sie sich nichts Schöneres mehr vorstellen. Es ist immer noch ein sehr anstrengender, aber schöner Beruf, die Arbeitsprozesse und die Arbeitsaufteilung haben sich gut eingespielt und jeder weiß, was er zu tun hat, damit das Rad weiterläuft.

Aller Anfang ist schwer

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© LKO/Markus Beeren
Der Bergbauernhof der Familie Ofner liegt auf 1060m Seehöhe und zählt zu den Genussland Kärnten Betrieben, welche strenge Vorgaben haben und externe Kontrollen bestehen müssen. Begonnen haben sie mit dem Rinderviehbetrieb und der Verarbeitung der eigenen Milch zu diversen Milchprodukten. "Anfänglich habe ich mich vorsichtig an die Produktion von Butter und Topfen in meiner kleinen Hofkäserei herangetastet, dann erst kam Käse, Camembert und Kaskugeln in Öl mit verschiedenen Gewürzen und der Glundner dazu. Es war ja alles Neuland für mich. Aber es hat mir von Anfang an Spaß gemacht und das ist das Wichtigste! Dann ist es regelrecht explodiert. Die Steigerung in den letzten vier Jahren war enorm!" erzählt die Jung-Bergbäuerin enthusiastisch.

"Positive Mundpropaganda, Weiterempfehlungen sowie ein guter Auftritt in den Sozialen Medien"

Wie wichtig auch in diesem Bereich Marketing ist, ist ihr bewusst: "Von großer Bedeutung für uns ist die positive Mundpropaganda und Weiterempfehlungen sowie ein guter Auftritt in den Sozialen Medien. Ohne Marketing geht es auch am Bauernhof nicht mehr!" Einen Onlineshop gibt es nicht, da hier die Angst zu groß ist, dass die Qualität der Produkte leiden könnte. "Ich glaube nicht, dass es für die Qualität der Produkte förderlich ist, ein Stück Käse durch halb Österreich zu schicken!" sagt sie und betont wieder, wie wichtig ihr der direkte Kontakt zu ihren Kunden ist. Transparenz und Authentizität ist dem Kunden von heute besonders wichtig. Gerne kommen Interessierte direkt auf den Hof, um Produkte zu verkosten und zu kaufen. Oftmals wird hier die Frage gestellt, ob es möglich wäre, die Stallungen und die Produktionsräume zu sehen. "Unsere Kunden können sich bei uns frei bewegen und alles sehen, was sie interessiert; wir sind ein offener Hof. Zu wissen, wo das Essen herkommt und wie es gemacht wird, ist den Kunden sehr wichtig geworden!" Deswegen lädt Frau Ofner die Kunden gerne auf ihren Bergbauernhof ein und freut sich, ihren Hof und die Entstehung der Produkte präsentieren zu können.

Direkter Kontakt zum Kunden

Heute haben sie auch eine Hühnermast- und Schweinezucht dabei und auch diese Erzeugnisse werden direkt am Hof aufbereitet und weiterverarbeitet bzw. veredelt. Die sorgfältig hergestellten Produkte wie Speck, Hauswürstel, Ossocollo, Pastrami und luftgetrocknete Salami werden genauso wie das Frisch-Fleisch ausschließlich über Direktvermarktung beim Ab-Hof-Verkauf und auf Bauernmärkten vertrieben. Der Kontakt zum Endverbraucher und das direkte Gespräch sind der Familie Ofner sehr wichtig und wertvoll. "Auch wenn ich zeitig in der Früh starte, wenn ich auf einen Bauernmarkt fahre, muss trotzdem zuhause bereits alles fertig und sauber sein. Durch den Ab-Hof-Verkauf kann jederzeit ein Kunde kommen und da kann ich kein Schlachtfeld hinterlassen und mir mal denken: Ach, das mache ich später…!" sagt Stefanie Ofner mit einem Augenzwinkern
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© LKO/Markus Beeren
Die Jung-Bäuerin betont immer wieder, wie wichtig der Zusammenhalt und die Arbeitsaufteilung innerhalb der Familie ist. "Ich stehe zwar oft als Sprachrohr des Hofes in der ersten Reihe, doch funktioniert nur alles so gut, weil wir alle zusammenhelfen: mein Mann, meine Kinder, meine Eltern und Schwiegereltern sind ein eingespieltes Team und nur gemeinsam können wir das alles schaffen. Wir ziehen an einem Strang und wir können uns aufeinander total verlassen. Sonst wäre das alles nicht möglich!" meint sie und erwähnt sehr oft im Gespräch, wie dankbar sie für die Zusammenarbeit und die Unterstützung ist. Ihr ist es auch sehr wichtig, dass sie für ihre drei Kinder, die Mädchen sind acht und sechs Jahre, der Bub ist vier Jahre, da sein kann, wenn sie von Kindergarten und Schule heimkommen. Beim gemeinsamen, frisch gekochten Mittagessen aus eigenen und regionalen Produkten wird viel erzählt und gelacht. Mit dem Älterwerden der Kinder werden natürlich auch die Hobbies und Freizeitaktivitäten mehr. Dies wäre rein logistisch ohne Hilfe der Eltern und Schwiegereltern nicht machbar - ein familieninternes, privates Hol- und Bringservice sozusagen. "Wir arbeiten wirklich sehr viel, dennoch habe ich meine Kinder fast immer um mich!" erzählt sie vom familienfreundlichen Alltag am Hof.

Niemals aufhören zu lernen

Der Lehrgang "ZAMm unterwegs" hat Frau Ofner zeitlich fast überrumpelt, jedoch hat sie sich trotzdem dafür entschieden, ihn zu absolvieren. Heute ist sie extrem froh und dankbar und möchte das Wissen und die Erfahrung, aber auch den Kontakt zu den anderen Bäuerinnen, welche sie durch den Lehrgang kennengelernt hat, nicht missen. "Wir waren sehr viele sehr junge Bäuerinnen; der Erfahrungsaustausch untereinander und das Gespräch unter Gleichgesinnten haben sehr gut gepasst. Die Rhetorik-, Präsentations- und Kommunikationsworkshops haben mir dabei geholfen, vor mehreren Menschen ohne Nervosität reden zu können. Ich kann unseren Hof jetzt viel besser und professioneller präsentieren.

Jeder kann was ändern

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© LKO/Markus Beeren
Die ambitionierte Läuferin, die in ihrer Freizeit Laientheater spielt, sich gerne mit ihren Freundinnen trifft und Ehrlichkeit und Herzlichkeit zu ihren positivsten Eigenschaften zählt, hat ihr Lebensmotto sogar eintätowiert: Jeder ist seines Glückes Schmied. Sie versteht nicht, warum so viele Menschen immer nur jammern, aber nichts ändern: "Es wird zum Beispiel nur über fallende Milchpreise und nicht erhaltene Förderungen gejammert, anstatt selbst etwas zu verändern und zu reagieren. Wenn ich heute meinen Kindern nur erzähle, wie viel Arbeit und Mühe so ein Hof macht, dann werden sie das Schöne daran gar nicht sehen. Man darf sich dann auch nicht wundern, wenn die Kinder den Hof nicht übernehmen möchten, da sie von Kindheit an das Jammern mitbekommen haben. Ich sage ja selbst mit sehr großem Stolz, dass ich Bäuerin bin. Ich trage das auch so weiter und kommuniziere das so und ich habe schon das Gefühl, dass das anerkannt wird. Die Leute verbinden Landwirtschaft mit ganz, ganz viel Arbeit und Fleiß; ich erhalte nur positive Reaktionen und auch viel ernstgemeinte Bewunderung, wenn ich sage, dass ich Bäuerin bin. Bäuerin sein ist für mich etwas sehr Bedeutsames." Könnte die Jung-Bergbäuerin einen Tag Landwirtschaftsministerin sein, würde sie sich bemühen, einen größeren Frauenanteil in landwirtschaftliche Gremien zu bekommen. Das würde sie persönlich sehr zeitgemäß finden, obwohl sie sich immer die Frage nach der Vereinbarkeit eines politischen Amtes mit der Familie stellt. Wichtig ist ihr auch, das "Bauer sein" mit mehr Stolz und Ehre nach außen zu tragen. Ihr Mann und sie haben das geschafft, was sie sich vorgenommen haben und sind froh, den Schritt gewagt zu haben.