Skip to main content
© Archiv
Zurück

„Der beste Tipp ist, oben anzufangen“

Lotta Folkesson, Vorsitzende des Landfrauen-Ausschusses in der COPA, über „Frauen.Macht.Politik“ in der EU am Beispiel ihrer Heimat Schweden
"Ist es 2018 noch immer notwendig, Frauen in der Landwirtschaft zu stärken und zu unterstützen?"

Lotte Folkesson:

12 Michi.jpg
© ARGE Bäuerinnen/COPA
In der EU sind 30 % der landwirtschaftlichen Betriebsführer Frauen und sie stellen fast 50 % der agrarischen Arbeitskräfte dar. Bäuerinnen und Landfrauen sind jedoch in den Gremien nicht ausreichend vertreten. Ich bin überzeugt, dass Frauen zu einem ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigeren Agrarsektor beitragen. Frauen sind die treibende Kraft für Innovation und Diversifizierung. Insbesondere Junglandwirtinnen zeigen neue Ansätze für die europäische Land- und Forstwirtschaft auf.
"Auf welche persönlichen Erfolge in der Frauenförderung sind Sie stolz?"

Folkesson:

Sehr stolz bin ich auf die ,Gleichstellungsstrategie‘ des LRF (Schwedischer Bauernverband). 2007 haben wir es geschafft, Gleichstellung von Mann und Frau in die Statuten des Verbandes aufzunehmen. Damit wird das Ziel, die Geschlechtergleichstellung in allen Arbeitsbereichen und bei allen Entscheidungen des LRF voranzutreiben, verfolgt. Diese Gleichstellungsstrategie ist ein wichtiger Grundstein. Es müssen sowohl der Präsident als auch die Geschäftsführung voll hinter dieser Strategie stehen. Sie sind verpflichtet, jährlich in der Vollversammlung zu berichten, wie viele Frauen und Männer in den verschiedenen Gremien vertreten sind, welche Weiterbildungen und Medienarbeit es gab. Außerdem sollen durch diese ,Gender Strategy‘ mehr Frauen in Führungspositionen verankert werden.
"Was hat diese Strategie gebracht?"

Folkesson:

Plötzlich waren Gleichstellung und Chancengleichheit nicht mehr nur Thema einer Arbeitsgruppe. Die Wichtigkeit der Geschlechtergleichstellungsfrage hat sich über alle Handlungsfelder des LRF ausgedehnt. Es wurden Gleichstellungsseminare für alle Angestellten des Bauernverbands abgehalten. In den Vorstandssitzungen wird die Redezeit von Frauen und Männern gestoppt und dokumentiert.
"An welchen Frauenthemen arbeiten Sie derzeit? Was ist Ihnen besonders wichtig?"

Folkesson:

Auf EU-Ebene arbeiten wir im Landfrauen-Ausschuss an den Themen Zugang zu Land, Einbringung der Sicht der Frauen in die Gemeinsame Agrarpolitik, Gleichbehandlung bei Kreditvergabe sowie Sichtbarmachung von Frauen und deren unternehmerischen Tätigkeiten. Wir fordern von der Europäischen Kommission, dass es – wie in Österreich – EU-weit eine Studie über das Einkommen und die Lebenssituation von Frauen in der Landwirtschaft gibt. Denn das Einzige, was wirklich wichtig ist, sind Zahlen, Daten und Fakten. Es sind Politiken zur Förderung der gleichen Bezahlung von Frauen und Männern, zur Förderung der unternehmerischen Fähigkeiten von Frauen sowie mehr berufliche Aus- und Weiterbildung erforderlich.
"Wir sind derzeit in Österreich bestrebt, den Anteil der Bäuerinnen in agrarischen Gremien auf mindestens 30 % zu heben. Haben Sie einen Tipp, wie wir unser Ziel erreichen können?"

Folkesson:

Der beste Tipp ist, oben anzufangen. Wenn die Unternehmensführung die Wichtigkeit der Gleichstellung wahrgenommen hat, ist ein großer Schritt getan. Und es muss eine klare Linie zu Fehlverhalten oder Diskriminierung gegenüber Frauen geben. Hier gilt Null Toleranz. Eine Organisation wird durch die Geschlechterbalance bereichert, bei einem Ungleichgewicht gehen Wissen und Kompetenz verloren.

Zur Person:

Lotta Folkesson (45) ist seit dem Vorjahr die Vorsitzende des Landfrauen-Ausschusses im Europäischen Landwirtever band COPA. In ihrer Heimat Nordschweden bewirtschaftet sie seit 1989 gemeinsam mit ihrem Mann einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 70 Hektar Ackerland und 600 Hektar Wald. Ihr Mann ist es auch, der sie in ihrem politischen Engagement für die Gleichstellung von Frauen in der Land- und Forstwirtschaft unterstützt.

Politisch war und ist Lotta Folkesson seit ihrer Jugend aktiv – sowohl in der bäuerlichen Interessenvertretung als auch auf kommunaler Ebene.