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„Einsatz für andere macht mir Freude“

„Mein Leben lang Bäuerin, mein Leben lang Älplerin“: Das ist die Überzeugung von Theresia Schneider, Bäuerin und Sennerin in Egg im Bregenzerwald (Vorarlberg).
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© BZ/Humer
Die malerische Alpe Obere Falz in Schetteregg – die Grenze zum benachbarten Allgäu ist nicht mehr weit: Hier, in der rund 300 Jahre alten Sennhütte, ist von Mai bis Ende September der Arbeitsplatz von Theresia Schneider und ihrem Mann Georg – für die 61-Jährige ist es heuer der 42. Sommer auf der Alp. Zu Hause in Egg bewirtschaften sie einen Vollerwerbsbetrieb mit Milchwirtschaft und Braunviehzucht. „Die Arbeit auf der Alp bin ich schon von klein auf gewöhnt“, erzählt Theresia. Denn es sind lange Arbeitstage – sieben Tage die Woche. Um halb vier Uhr in der Früh heißt es, die 45 Kühe auslassen, „um halb sechs fange ich dann mit dem Buttern an“. Nach zwei Stunden kommen die Kühe zum Melken. Und dann beginnt die Hauptarbeit für Theresia, das Käsen. Täglichentstehen so in der ersten Alpzeit drei Käselaibe, später sind es zwei. Nach dem Pressen kom-Salzbad, dann in den Käsekeller, wo sie alle zwei Tage gewendet und gepflegt werden.

„Ein halbes Jahr sollte der Käse schon reifen“

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Frühestens nach drei Monaten wird der Alpkäse angeschnitten, „da ist er aber noch sehr mild“, meint Theresia, „ein halbes Jahr sollte er schon reifen.“ Denn die Schneiders sind für ihren würzigen Alpkäse bekannt. Den vermarkten sie zu einem Gutteil direkt am Hof, wo sie auch einen Reifekeller eingerichtet haben. Die Alpbutter wird seit über zehn Jahren an den Vorarlberger Lebensmittelhändler Sutterlüty geliefert und ist dort ein gefragtes Produkt. „So hat die Alpbutter wieder einen Wert bekommen“, freut sich Theresia. Die Mutter von sechs Kindern und Oma von sieben Enkeln hat mit 30 Jahren den Meisterinnenkurs absolviert: „Dadurch bin ich dann mehr in die Öffentlickeit gekommen.“ Und so hat sie im Laufe der Jahre neben ihrer Arbeit am Hof und auf der Alp viele Funktionen übernommen: 20 Jahre lang Ortsbäuerin, drei Perioden im Gemeinderat, auch im Maschinenring-Vorstand war sie lange tätig. Heute ist sie Gebietsbäuerin, stellvertretende Landesbäuerin und im Bauernbund engagiert. „Ich hab’ halt meine Freizeit für die Bäuerinnen aufgewendet“, meint Theresia, „aber ich würde es wieder so machen. Denn sich für andere einzusetzen, hat mir immer Freude gemacht."

„Weiterbildung ist für mich bis heute wichtig“

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Daneben war ihr immer auch die Weiterbildung wichtig – bis heute: „Ich besuche regelmäßig Kurse zur Auffrischung. Das ist wichtig, um die Qualität zu halten und die neuesten Informationen zu bekommen. Aber auch der Erfahrungsaustausch mit den anderen Teilnehmern ist eine Bereicherung", ist Theresia überzeugt. Besonders profitiert hat sie nach ihren eigenen Worten vom anspruchsvollen ZAMm-Lehrgang „Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“: „Wir waren eine tolle Gruppe von Teilnehmern. Jedes Jahr treffen wir uns bei einer anderen Bäuerin – das ist nicht nur ein fachlicher, sondern auch ein menschlicher Gewinn!“ Diesen Wert der Ausbildung hat Theresia auch ihren Kindern vermittelt: „Vier von ihnen haben eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht.“ Nicht zuletzt ist ihr wichtig, dass sie über ihren Betrieb Buchhaltung, auch für den Grünen Bericht, führt: „Ich will am Ende des Jahres schon wissen, wohin das Geld gegangen ist!“

Botschafterinnen zu den Konsumenten

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Und wie sieht Theresia Schneider das Berufsbild der Bäuerin für die Zukunft? „Heut’ kommen immer mehr junge Bäuerinnen von Berufen außerhalb der Landwirtschaft und bringen so auch neue Ideen ein. Das ist durchaus positiv und bringt Chancen, zum Beispiel für eine Spezialisierung des Betriebes. Dafür ist aber eine gute landwirtschaftliche Ausbildung von Vorteil und allen ans Herz zu legen!“ Denn Theresia Schneider sieht die Bäuerinnen heute auch als wichtige Botschafterinnen hin zu den Konsumenten: „Wir müssen raus zu die Leut’ und ihnen erklären, wie wir arbeiten und wie Landwirtschaft überhaupt funktioniert. Denn letztlich soll unser Produkt ja einen Wert bekommen!"

Bildungsprogramm:

Weiterbildung kann einen großen Teil dazu beitragen, um den vielfältigen Anforderungen in der heimischen Alm- und Berglandwirtschaft langfristig gewachsen zu sein. Die österreichischen Almbäuerinnen und Almbauern leisten wertvolle Arbeit, müssen sich aber auch oft an neuen Gegebenheiten in der Bewirtschaftung der Almen anpassen, um nachhaltig und erfolgreich die vielfältigen Funktionen der Almwirtschaft aufrechterhalten zu können. Um den Bildungsbereich im almwirtschaftlichen Sektor zu stärken, wurde vor einigen Jahren das bundesweite Projekt „Bildungsoffensive multifunktionale Almwirtschaft“ vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) Österreich , Landwirtschaftskammern und Almwirtschaftsvereinen in den Bundesländern ins Leben gerufen. Diese ist mittlerweile fixer Bestandteil in der österreichischen Bildungslandschaft.

Neben Grundkursen wird ein breites Spektrum an Lehrgängen speziell für die Alm- und Berglandwirtschaft in einem eigenen Kursprogramm angeboten. Dieses ist unter www.almwirtschaft.com abrufbar.