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„Heimische Lebensmittel liegen mir irre am Herzen“

Als „Botschafterin heimischer Lebensmittel“ versteht sich Bettina Hinterberger. Seit fünf Jahren ist sie als Seminarbäuerin unterwegs.
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© BZ/Pichler
Wo habe ich die Chance, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen und ihnen mehr über unsere heimischen Lebensmittel zu erzählen?“, fragte sich Bettina Hinterberger schon lange. So reifte in ihr der Entschluss, die Ausbildung zur Seminarbäuerin zu absolvieren. Über das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) ist sie schon seit Jahren in der Erwachsenenbildung tätig, und zu Hause in Sankt Thomas bei Waizenkirchen (OÖ) führt sie mit ihrem Mann einen Schweinezuchtbetrieb. Seit fünf Jahren hat sich Bettina Hinterberger nun als zertifizierte Seminarbäuerin ein weiteres Standbein aufgebaut, und man glaubt ihr aufs Wort, wenn sie über ihre Motivation sagt: „Heimische Lebensmittel liegen mir irre am Herzen.“ Die 48-jährige Bäuerin sprüht vor Leidenschaft und Elan für ihre Aufgabe, und nicht umsonst werden die Seminarbäuerinnen als „Botschafterinnen für heimische Lebensmittel und Landwirtschaft“ beschrieben.

186.000 Kundenkontakte in einem Jahr

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© Cityfotos
Die Seminarbäuerinnen gibt es schon seit 1996, österreichweit sind es aktuell 301 ausgebildete Seminarbäuerinnen (siehe auch Infokasten). Welche Breitenwirkung deren Angebot hat, lässt sich eindrucksvoll an einer Zahl ablesen: Alleine im vergangenen Jahr wurden 186.620 TeilnehmerInnen bei Kursen und Workshops österreichweit gezählt. Mit ihren Kochkursen lehren sie Frauen und Männer – junge wie ältere – die geschmackvolle Zubereitung von Gerichten vielfältiger Art. Ob Erdäpfelküche oder Wintergemüse, Brot oder Mehlspeisen, Lammfleisch oder Festtagsbraten, Fermentieren oder Knödel drehen – eines steht bei all diesen Kursen im Mittelpunkt: die Bewusstseinsbildung für die breite Auswahl und die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der heimischen Lebensmittel. Oder wie Bettina Hinterberger es formuliert: „Zwischen den Zeilen eines Rezepts gibt es so vieles, was wir in den Kursen unseren Teilnehmern näherbringen.“ In ihren Kursen merkt sie, dass die Menschen wieder mehr Wert auf das legen, was auf ihre Teller kommt und „Selbermachen“ im Trend liegt. „Kochen ist so etwas Kreatives“, sagt Hinterberger. Sie will, dass ihre Teilnehmer nach dem Kurs wissen, „was man zum Beispiel mit einem Krauthäuptel alles machen kann“. Dem Kochen solle nicht der Eindruck von „aufwendiger Arbeit“ anhaften. „Kochen ist gesellschaftsfördernd, und wenn ich mit der Familie koche, ist das eine wertvolle gemeinsame Zeit“, so Hinterberger. Drei Stunden dauert ein Kochkurs, in dem mehrere Gerichte gezeigt bzw. von den Teilnehmern selbst ausprobiert werden können. Die Teilnahme wird je nach Bundesland über das LFI, über die Referentinnen oder über die Bäuerinnenorganisation organisiert. Eine zunehmend wichtige Aufgabe der Seminarbäuerinnen ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dazu gehen die Bäuerinnen in Schulen und Kindergärten und zeigen in zweistündigen Einheiten, wie zum Beispiel das Gras in den Burger kommt oder was sich hinter der Eischale verbirgt. Zudem wird eine Vielzahl an Kinderkochkursen – von der Wichtelwerkstatt bis zur Weihnachtsbackstube – angeboten.

„Die Kinder sind die Chefs zu Hause“

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© Privat
„Bei den Kindern muss man ansetzen. Die sind die Chefs beim Lebensmitteleinkauf in den Familien“, ist Bettina Hinterberger überzeugt. Sie selbst hat den Fokus ihrer Arbeit auf die Kochkurse und Workshops in Schulen gelegt. „Es hat noch keinen Schüler und keine Schülerin gegeben, denen es nicht getaugt hat“, freut sich Hinterberger und erzählt von so manchem Aha-Effekt der künftigen Konsumenten: „Was, das wächst bei uns?“, hört sie zum Beispiel oft, wenn sie bei der „Geschmacksschule Gemüse“ Rettich, Karfiol oder Brokkoli den Kindern zum Kosten gibt. Hinterbergers Wunsch: „Mehr Ernährungsbildung in den Schulen. Das wäre sehr wichtig.“

Buttershaken mit Erwachsenen

Seminarbäuerinnen trifft man auch auf Messen und Veranstaltungen und zeitweise sogar in Supermärkten an, um dort auch jene Menschen zu erreichen, für die Regionalität und Saisonalität (noch) Fremdworte sind. Bettina Hinterberger führte ihre Aufgabe zuletzt in eine große Firma, in der sie im Zuge eines Gesundheitstages „Buttershaken“ anbot. „Den Teilnehmern hat das unglaublich getaugt.“ Für die Seminarbäuerin ein weiterer Beweis, dass ihre Arbeit Sinn macht.

Bildung und Fortbildung

Ob „Schule am Bauernhof“, „Erlebnis Alm“, „Waldpädagogik“, „Natur- und Kräuterpädagogik“, eine Wanderausstellung zum Thema „Land- und Forstwirtschaft in Österreich“  oder „Schulmilch vom Bauernhof“ – diese und viele Angebote mehr stellen die Landwirtschaftskammern und das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) für Schulen und Kindergärten bereit. Das Spektrum ist so vielfältig, wie die österreichische Land- und Forstwirtschaft selbst. So kommen Seminarbäuerinnen gerne in Schulen und Kindergärten und zeigen anhand von Anschauungsmaterial und Aktivitäten den Weg der Lebensmittel vom Bauernhof bis auf den Teller.
 
Für PädagogInnen, die nach Bildungsangeboten zum Thema Land- und Forstwirtschaft in den einzelnen Bundesländern suchen, bietet die Homepage www.landwirtschaftundschule.at profunde Informationen, Termine und Kontaktdaten.
 
Zu finden sind dort auch Fortbildungsangebote für PädagogInnen, die die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik anbietet.
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