Skip to main content
© Archiv
Zurück

Mit Gespür für Trends, Technik und Menschen

Lagerhaus ist mehr als Spritzmittel, Dünger und Heizöl – das gilt insbesondere seit dem gezielten Angebot von Services mit neuen Technologien. Claudia Mittermayr ist die Frontfrau in diesem Bereich.
26 Drohenfrau.jpg
© BZ/Maad
Farming Innovations – was etwas fremd klingend auf „Neudeutsch“ daherkommt, dem gibt Claudia Mittermayr ein sympathisches Gesicht. Claudia leitet in der Raiffeisen Ware Austria (RWA) das mit diesem englischen Ausdruck bezeichnete Team, dass sich ausschließlich mit „neuartigen Themen“ in der Landwirtschaft beschäftigt. Dazu zählen Serviceangebote, wie die schon breiter bekannte Lagerhaus-Drohne zur Maiszünslerbekämpfung, die GPS-gesteuerte Bodenprobennahme samt teilflächenspezifischer Düngeempfehlung, das Thema Robotik, beispielsweise in Form eines Hackgeräts, und als jüngstes Projekt auch die Beregnungsplanung auf Grundlage von Satellitendaten.

Den Zündfunken gab das Drohnenprojekt

Als Claudia nach einer Bewerbung aus eigener Initiative im Frühjahr 2013 bei der RWA zu arbeiten begann, war dies alles noch nicht geplant. Der Zündfunke für das Team Farming Innovations war das Drohnenprojekt. Da Claudia aufgrund ihrer Affinität zum Handwerken mit Metall und Holz ein technische Grundverständnis mitbrachte (siehe Kasten „Zur Person“), war sie für die Drohnenfliegerei vom Start weg die Optimalbesetzung und absolvierte gleich in der ersten Staffel die Ausbildung für das gewerbliche Drohnensteuern. Zudem erwarb sie auch den Pflanzenschutz-Sachkundenachweis, da die Trichogramma-Ausbringung zur Maiszünslerbekämpfung unter das Pflanzenschutzmittelgesetz fällt. Das Drohnenprojekt nennt Mittermayr auch als Beleg dafür, wie aufgeschlossen die Landwirte gegenüber neuen Technologien sind. Denn gestartet sei man hier mit wenigen Betrieben, auf denen der Einsatz mit einer Drohne in ein paar Tagen erledigt war. Mittlerweile sei man einen Monat lang mit fünf Drohnen komplett ausgelastet. Das sei „eine schöne Entwicklung“. Zur positiven Entwicklung des Projekts hat auch beigetragen, dass Mittermayr und ihre Kollegen auch aktiv nach Anwendungsgebieten gesucht haben. Neben der Trichogramma-Ausbringung kann man die Lagerhaus-Drohne beispielsweise auch buchen für Luftaufnahmen in Hof und Feld, zur Fehlersuche bei Fotovoltaikanlagen oder Windrädern oder zu Aufnahmen mit Wärmebildkamera, z. B. um Rehkitze vor der Mahd im Grünland aufzuspüren. Ein weiteres bereits etabliertes Projekt ist der Lagerhaus-Bo- denprobenservice. Die automatisierte Probenziehung mittels Pick-up-Geländewagen oder Quad erspart das mühsame Probenstechen von Hand. Zudem sind die Probepunkte per GPS gespeichert und können für wiederholte Proben punktgenau angesteuert werden. Mit dem Probenservice gekoppelt ist zudem die Analyse durch die Ages und auf Wunsch die Erstellung eines betrieblichen Düngerplans samt Mischung der passenden Komponenten im Lagerhaus. Mittermayr: „Bei den Bodenproben ist das Interesse das ganze Jahr über gegeben. Wir haben bereits mehrere zehntausend Hektar beprobt.

Effizienzsteigerung und Umweltgedanke

Was Claudia besonders motiviert, ist Verknüpfung von moderner Technik und Umweltnutzen. Mittermayr: „Unser Angebot soll helfen, die Effizienz am Betrieb zu steigern. Zudem hat es einen Umweltgedanken. Das heißt, Betriebsmittel sparsam und effektiv einzusetzen und die Umwelt zu schonen.“ Beispielsweise sei die Trichogramma-Ausbringung der Drohne eine biologische Maßnahme, die gleichermaßen auf konventionellen und auf Bio-Betrieben zum Einsatz kommt. Auch beim Bodenproben-Service entspricht der sparsame und effiziente Düngereinsatz dem Umweltgedanken. Selbiges gilt auch für die beiden jüngsten Projekte des Farming Innovation-Teams der RWA. Da ist zunächst die Hackroboter-Technologie, die Einsparungen bei Pflanzenschutzmitteln ermöglicht. Erste Seriengeräte habe man auf einem Pilotbetrieb laufen. Mittermayr: „Das Interesse ist gegeben. Auf dem Vorzeigebetrieb kann man sich anschauen, wie die Technik funktioniert. „Weiters in der Startphase sind die Services „Beregnungsplan“ zur Optimierung der Feldberegnung und „Professionelles Farmmanagement“ mittels der Software Next Farming.

150 Männer und eine Vortragende

Mit dem wachsenden Produktangebot ist auch Claudia Mittermayrs Aufgabengebiet gewachsen. So hat sie in der Saisonbis zu zehn Mitarbeiter zu koordinieren. Und vor allem ist sie auch in den örtlichen Lagerhäusern mit der Vorstellung der neuen Angebote engagiert. Auch Schulen, wie das Francisco Josephinum oder die HBLA Klosterneuburg, fragen immer wieder um Vorträge an. Als „Frau unter Landtechnikern“ sei sie manchmal schon Skepsis begegnet. Diese sei aber immer rasch gewichen und nie negativ geworden. Ungewohnt sei es anfangs für sie gewesen, vor reinen Männerversammlungen mit bis zu 150 Zuhörern zu sprechen. Es habe aber nie eine Situation gegeben, wo sie gedacht hätte, das sei ein Nachteil. Viel Freude mache ihr die Arbeit dann, wenn sie als Drohnenpilotin zu ihren Wurzeln zurückkehrt, so Claudia. Nicht nur, weil sie das gerne tue, sondern auch, weil die Landwirte als Auftraggeber sie immer gerne wiedersehen.

Zur Person:

Claudia Mittermayr (32) bewirtschaftet einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in der Region Vöcklabruck-Gmunden (OÖ). Ihr Interesse für die Lebensmittelproduktion führte sie zum Studium an die Boku in Wien. Ihr Masterstudium absolvierte sie mit dem Schwerpunkt Ökologische Landwirtschaft. Claudia bekennt sich als „Fan der Biolandwirtschaft“. Zur Raiffeisen Ware Austria gelangte Mittermayr im Februar 2013 aufgrund einer Initiativbewerbung. Nach einigen internen Managementaufgaben begeisterte sich Claudia für das Drohnenprojekt und erwarb als Erste in der RWA die Lizenz zum gewerblichen Drohnensteuern. Hier bewährte sich ihre technische Grundbegabung – Handwerken mit Metall und Holz nennt sie neben Segeln und Schwimmen als Hobbies.

Als „Frau in der Landtechnik“ stieß sie bisher nur vereinzelt auf Skepsis, die sich im Endeffekt rasch ausräumen ließ. Auch Vorträge vor reinem Männerpublikum machten ihr nur die ersten Male Lampenfieber. Mittlerweile führt Claudia Mittermayr bei der RWA das Team Farming Innovations mit bis zu zehn Mitarbeitern.
 

Wissensplattform LK Digital

Mit lkdigital.at gibt es eine Homepage, die regelmäßig neue Informationen zur Digitalisierung in der Land- und Forstwirtschaft aufbereitet. Precision Farming, Sensortechnologien, Schädlingsbekämpfung via Drohnen oder automatische Brunsterkennung stehen dabei genauso im Fokus wie rechtliche oder politische Aspekte. Gespeist wir lk digital zum einen aus dem Wissenspool der Landwirtschaftskammern und Ländlichen Fortbildungsinstitute, zum anderen teilen unterschiedlichste ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis ihre Erkenntnisse.
Mehr Informationen dazu sind im Internet unter www.lkdigital.at abrufbar.
 
 

Beregnungsplan per Satellit

beregnungsplan.at – so heißt ein neues Angebot der Lagerhausorganisation, das unter der Leitung Claudia Mittermayrs seit dieser Saison zur Verfügung steht. Vorausgegangenen ist eine umfangreiche Testphase mit Pilotlandwirten im Marchfeld. beregnungsplan.at bietet Landwirten die Möglichkeit, Bewässerung nach Zeitpunkt und Menge punktgenau zu steuern. Die Datengrundlage liefert der Satellit Sentinel-2.
beregnungsplan.at ist eine Online-Anwendung, die mit den gängigen Webbrowsern aufgerufen werden kann. Für Android- und iOS-Geräte stehen zudem Apps zur Verfügung. Die Anwendung ermöglicht die schlagweise Auswertung der Wasserbilanz, wobei die einzelnen Felder aus eAMA importiert werden können. Für jedes Feld wird je nach Entwicklungsstand der Kulturpflanze unter Berücksichtigung von Klimadaten tagesaktuell eine Wasserbilanz erstellt. Besteht ein Wasserdefizit, dann wird auf den Bedarf in Millimeter Wasser hingewiesen. Das zugrundeliegende Modell wurde an der Boku entwickelt (eo4water.com/). Der Einsparungseffekt bei den Beregnungskosten liegt in der Größenordnung von durchschnittlich zehn Prozent.
Die Erstregistrierung für bereg nungsplan.at erfolgt im Lagerhaus. Das Angebot gibt es in Regionen, wo Beregnung eine Rolle spielt, wie z.B. im Marchfeld, Wiener Becken und Eferding. Auf Rückfrage können zusätzliche Lagerhäuser freigeschaltet werden.