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Über die Strahlkraft der Landwirtinnen

Wie sehen Konsumenten die österreichische Landwirtschaft, und welche Bedeutung haben Lebensmittel und Landwirtinnen für die Gesellschaft? Eine Studie gibt Aufschluss.
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© Tibanna79/Fotolia.com
Von Bergbauern-Idylle bis Tierfabrik – die öffentliche Wahrnehmung der Landwirtschaft hatte in der Vergangenheit schon viele Ausgestaltungen. In einer Studie erhob die Austria Presse Agentur (APA) im Auftrag des Ökosozialen Forums und unter der Leitung von Kommunikationswissenschaftlerin Julia Wippersberg die aktuellen Vorstellungen der Öffentlichkeit zum Thema Landwirtschaft genauer – mit interessanten Ergebnissen. Das Bild, das die Befragten von der heimischen Landwirtschaft zeichneten, ist durchaus differenzierter als eingangs beschrieben. Befragt wurden fünf Fokusgruppen mit insgesamt 50 Teilnehmenden. Als Aufgabe der Landwirtschaft nennen die Befragten vor allem die Lebensmittelproduktion. Forstwirtschaft, Urlaub am Bauernhof oder Landschaftspflege sowie Tradition oder Brauchtumspflege werden nur sehr selten angeführt.

Bäuerinnen und Bauern denken langfristig

Den Bauern selbst wird ein langfristiges Denken zugeschrieben, da sie die Landschaft und den Grund für die Nachfolgegenerationen erhalten wollen. Die Arbeitssituation der Bauern sehen die Teilnehmer insgesamt sehr realistisch: Die Arbeit am Bauernhof ist hart und anstrengend, und es gibt sehr viele Vorgaben, insbesondere bei Hygiene oder Schlachtung. Obwohl ein sehr realistisches Bild über Produktionsbedingungen und Arbeitsweise herrscht, schwingt laut Wippersberg eine kleine Sehnsucht nach einem romantischen Bild der Landwirtschaft immer wieder mit.

Der Wunsch nach Romantik ist vorhanden

Zwar ist den Studienteilnehmern bewusst, dass die Landwirtschaft hochtechnisiert und spezialisiert ist, dennoch werden mit Landwirtschaft immer noch Natur-Erleben und Naturverbundenheit assoziiert. „Der Wunsch, dass die Landwirtschaft aussehen könnte wie in stereotypen Bildern und in der Werbung, ist trotz der realistischen Einschätzung vorhanden“, so Wippersberg. Als wichtige Quellen, um mehr über Landwirtschaft und Lebensmittel zu erfahren, nennen die Befragten die Gespräche mit den Bäuerinnen und Bauern auf Märkten oder beim Ab-Hof-Verkauf. Die Studienteilnehmer geben an, den Bäuerinnen und Bauern mehr zu glauben als den Medien.

Die Bäuerinnen erfahren einen hohen Stellenwert

Der Stellenwert der Bäuerinnen als Botschafterinnen von hochwertigen Lebensmitteln kann laut Wippersberg als sehr hoch eingeschätzt werden. Die Kunden sehen die direkten Kontakte zu den Bäuerinnen und Bauern als eine der zentralen Entscheidungsgrundlagen für Einkäufe und für ihre Sicht der Landwirtschaft an. Jene Personen, die tatsächlich in der Landwirtschaft arbeiten, werden als hochgradig glaubwürdig und kompetent angesehen. Sie sind authentisch aufgrund ihrer beruflichen und lebensweltlichen Erfahrungen. Generell drehten sich die Gespräche in den Fokusgruppen stark um Lebensmittel und ihre Produktion. Die Parameter, die wichtig beim Einkauf von Lebensmitteln sind, verändern sich laut den Angaben der Befragten vor allem durch das Alter: Ältere bevorzugen regionale und saisonale Produkte, Jüngere setzen stark auf Bio und Fairtrade. Beim Einkauf spielt aber vor allem der Preis der Lebensmittel eine Rolle. Viele der Befragten geben an, „aufs Geld schauen zu müssen“.

Höhere Qualität, dafür geringere Mengen kaufen

Hier gibt es aber auch die Meinung, dass es müßig ist, „beim Ei über den Preis zu reden, solange man sich Dinge wie Autos, Bier, Schuhe etc. leisten kann“. Mehrfach wird empfohlen, doch höhere Qualität, aber geringere Mengen zu kaufen, da die Menschen ohnehin schon übersättigt sind und viele Lebensmittel weggeworfen werden. Die Frage, wo man (leistbare) qualitativ hochwertige Lebensmittel beziehen kann, beschäftigt die Befragten intensiv. Für die Städter wird es als schwieriger angesehen, gute Qualität zu bekommen, weil man hier auch stark auf Supermärkte angewiesen ist. Viele Landbewohner sehen sich hier als privilegiert an, weil sie nahe den „Quellen“ für gute Lebensmittel wohnen.

Zehn Thesen für einen erfolgreichen Dialog

Seminarbäuerin und Bundeskoordinatorin von „Dialog mit der Gesellschaft – Seminarbäuerinnen“, Heidi Freithofnig, hat zehn Thesen aufgestellt, die den Dialog zwischen Bauern und der nicht-bäuerlichen Bevölkerung optimieren sollen.
 
  • 1. Wer zuhört, erfährt mehr: „Nur wenn du verstehst, was Menschen bewegt, kannst du sie bewegen.“ (Zitat: Bodo Flaig) 
  • 2. Abgrenzung erwünscht: Nimm Fragen und Behauptungen nicht immer persönlich.
  • 3. Toleranz: Sei tolerant gegenüber anderen Wirtschaftsweisen, Andersdenkenden, Nichtwissenden, ...
  • 4. Wissen und Reden: Rede über Inhalte, über die du gut Bescheid weißt.
  • 5. Ich weiß, dass ich nicht alles weiß: Stehe dazu, wenn du etwas nicht weißt.
  • 6. Vom Ernährer zum Erklärer: Die Menschen vertrauen dir und deinen Erklärungen.
  • 7. Realistische Bilder vermitteln: Zeige deine reale Landwirtschaft. Trotzdem wollen Menschen nicht alles wissen.
  • 8. Positiv formulieren: Sag „moderne Nutztierhaltung“ statt „Massentierhaltung“ und „Ferkelschutzkorb“ statt „Abferkelbox“, usw.
  • 9. Rede, rede, rede, ...: Nütze deine Chance, öffentlich zu Wort zu kommen, z. B. bei Pressegesprächen, Diskussionen, im Web, usw.
  • 10. Unter Beobachtung: Sei selbst das erste Vorbild, z. B. beim Einkaufen von heimischen Produkten.

Bäuerliches Sorgentelefon

In einer verzwickten Situation kann es helfen, mit jemandem zu sprechen, der in der bäuerlichen Lebenswelt zu Hause ist und Verständnis für die Probleme hat, gleichzeitig aber auch über das nötige psychologische Fachwissen verfügt.

Etwa mit Anna Eckl. Sie ist eine der Ansprechpersonen am Bäuerlichen Sorgentelefon des Projekts „Lebensqualität Bauernhof“. Eckl ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und war über mehrere Jahre u. a. selbst Betriebsführerin. Zudem ist sie diplomierte Lebens- und Sozialberaterin, Paar- und Sexualberaterin und zertifizierte Supervisorin. Ihr Motto: Gib niemals auf, vielleicht bist du deinem Ziel näher, als du glaubst.
Sie und andere professionelle Ansprechpartner hören unter der Tel. 0810 / 676 810 zu und
geben Hilfestellungen, z. B.  bei
 
  • Konflikten zwischen Jung und Alt
  • Hofübergabe/-übernahme
  • Wirtschaftlichen Sorgen
  • Partnerschaft
  • Überlastung
  • Sonstigem.

Das Wichtigste auf einen Blick
 
  • Telefonnummer Sorgentelefon: 0810 / 676 810
  • Erreichbarkeit: Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr (ausgenommen an gesetzlichen Feiertagen)
  • Tarif: österreichweit zum Ortstarif
  • Anonym und vertraulich.